Samstag, 3. November 2012

Berlin-Stadt der Spione

Auf Entdeckungsreise durch die Augen des Polit-Thriller-Autoren Steffen Bärtl!

OK, dachte ich mir und hab mich mal auf den Weg gemacht. Hier seht ihr meine Erfahrung mit Berlin aus der Sicht des Autoren.

„Berlin ist eine Reise wert“, sagt man so schön. Ich wolle dieser Aussage einmal auf den Grund gehen, und habe die Bundeshauptstadt besucht. Nicht um Urlaub dort zu machen, viel mehr um herauszufinden, welche Reize die Stadt für Autoren und Schriftstellern hat. Ich wusste aus historischen Quellen, das man Berlin, auch „Die Stadt der Spione“ nannte. Was mich dazu bewegte, diesen Bericht zu schreiben. Vor allem, wollte ich wissen, wie sich ein Autor, der über Berlin oder eine Handlung, die in Berlin spielt, beim Schreiben bzw. bei den Vorbereitungen, der sogenannten Recherche vorgeht. Nach welchen Kriterien werden Schauplätze ausgesucht? Wie verschmelzen sich Handlung und der reale Ort? Gibt es dabei einen Wiedererkennungseffekt, dass den Leser zu einem Besuch des Handlungsortes motiviert? Besonders hilfreich fand ich dabei den Roman „DAS BERLIN ATTENTAT“ von Steffen Bärtl aus Torgau (Sachsen), welcher vor kurzem im SACHSENS IMPERIA VERLAG erschienen ist.

Die Meisten Leser, die meine Artikel verfolgen, werden schon gemerkt haben, das ich bereits im Vorfeld einige Bücher des Autoren verfolgt und darüber berichtet habe. Der Grund darin liegt, dass diese Bücher nicht nur pure Spannung erzeugen, sondern weil sie stets vor einem realistischen Hintergrund spielen. Eine Reflexion unserer Zeit, die wir in der Zukunft als ein Spiegelbild der Vergangenheit ansehen können. Auch in „DAS BERLIN ATTENTAT“ geht es sehr spannend zu. Deshalb habe ich versucht, anhand des Buches einige Schauplätze vor Ort zu besuchen, um mir selbst einen Eindruck zu verschaffen. Ich habe mich in die Augen des Autors versetzt, in die Gefühls- und Stimmungslage.
Nun könnte man Berlin als den einzigen Handlungsort nennen, doch das wäre so nicht ganz korrekt. Der Autor hatte sich die Mühe gemacht, Berlin aufzuteilen. Ähnlich, wie bei einem Kuchen, den man aufschneidet und jedes Stückchen ist ein anderer Schauplatz. Ich könnte jetzt viele Stückchen Kuchen herauspicken, doch ich habe mich für zwei Stückchen entschieden. Den PARISER PLATZ, und den ALEXANDERPLATZ.
Als ich auf dem Pariser Platz in Berlin stand und mich umsah, konnte ich die Ehrfurcht spüren, wie sie mir durch die Adern jagte. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass sich die meisten ausländischen Botschaften befanden. Voran die US-Botschaft, der Dreh- und Angelpunkt in Bärtl´s Roman „DAS BERLIN ATTENTAT“ darstellt. Hier laufen die Fäden an Informationen zusammen. Unweit davon befinden sich die russische Botschaft, die Britische und die Französische. Keine Einhundert Meter von meiner Position entfernt, kann ich das Brandenburger Tor sehen. Wenn ich mir vorstelle, wie hier die DDR-Grenzsoldaten Patrouilliere gelaufen sind und die Bürger nach Ausweisen fragten, CIA-Agenten den Weg nach Ost-Berlin suchten und wieder hinaus gelangten, jagt es mir einen Schauer über den Rücken. So war der Kalte Krieg! Misstrauen, Geheimnisse, Fluchtwege in die DDR, Spione und Doppel-Agenten. Heute, nach 22 jähriger Beendigung des Kalten Krieges, kann man sich das schwer vorstellen. Nun, da ich es jetzt mit eigenen Augen sehen und durch Bärtls Roman ein wenig fühlen kann, weiß ich einen Bruchteil, wie diese Bauwerke auf den Autoren Steffen Bärtl gewirkt haben müssen. Und wenn ich mir die Szenen vorstelle, die sich auch in unmittelbarer Nähe, im Buch, abspielen, umso glaubwürdiger erscheinen sie mir. Es scheint so, als hätte die Handlung in „DAS BERLIN ATTENTAT“ wirklich stattgefunden.

Meine Route führte mich durch den Tiergarten, wo mich eine imaginäre Verfolgungsjagd zwischen ICIS-Agenten und der flüchtigen Killerin „Wespe“, auf einem Motorrad, erwartete. Auch hier konnte ich mir gut vorstellen, wie der Autor mit seinen Augen diese Szene sah. Mit dem Bus fuhr ich durch die CLAYALLEE, wo sich im Roman ein Außensitz des ICIS-Hauptquartiers befand. Hier wurden Informationen über ehemalige KGB-Agenten, aktive Mossad- und VEVAK-Agenten, sowie freischaffende Attentäter gesammelt und ausgewertet. Hier wurden Mutmaßungen und Schlussfolgerungen gezogen und Maßnahmen entschieden, wie man auf dem Schachbrett „Berlin“ weiter vorgehen sollte.

Auf dem Berliner Alexanderplatz angekommen, blickte ich zum grauen Himmel hinauf und konnte die Kugel des Fernsehturms erkennen. Eine imposante Erscheinung - vor allem, wenn dieser Anblick auf eine Person einwirkte, die an Höhenangst litt. Ich versuchte mir die Szene des Hauptprotagonisten „Botschafter André Hartmann“ vorzustellen.

Den morgendlichen Nebel, Schatten ähnliche Figuren, die auf mich zukamen – und eine von diesen Personen wäre der Kontaktmann, den ich treffen sollte. Im Hintergrund ertönten die Signale der Straßenbahn und ich bin im Unklaren, wer etwas von mir will. Eine beängstigender, beinahe schon gespenstischer, Moment, der meine Beine zittern und nervös werden lässt. Ich will wegrennen, doch meine Beine verschmelzen sich mit dem Boden, als wäre ich fest angewurzelt.

Gab es zu jenen Tagen wirklich solche Momente im geschehen eines Kalten-Spion-Kriegers?

Real oder Fiktion, sollte jeder Leser für sich selber herausfinden. Dennoch steht eines fest, neben der Romanfigur André Hartmann, spielt die Stadt Berlin, mit all ihren Straßen und Gassen, ihren Sehenswürdigkeiten und Schandflecken der Vergangenheit gekonnt die zweite große Hauptrolle in Bärtls Roman „DAS BERLIN ATTENTAT“.